Thema des Tages: Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert


Datum 11.10.2026



Das heutige Thema des Tages widmet sich der Entwicklung der Telegraphie, mit der in rascher Zeit meteorologische Daten und Beobachtungen über große Entfernungen übermittelt werden konnten.

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung atmosphärischer Messungen mittels Drachen und Ballonen im 18. und 19. Jahrhundert beleuchtet. Im aktuellen Thema des Tages dieser Serie widmen wir uns heute der Historie der Telegraphie, mittels derer meteorologische Daten und Beobachtungen rasch über große Entfernungen vermittelt werden konnten. Damit konnten meteorologische Messnetze regional und nachfolgend auch global in engem zeitlichem Rahmen verknüpft werden. Vorgestellt werden Persönlichkeiten, die maßgeblich zur Entwicklung der Telegraphie beitrugen, als auch solche, die die Telegraphie in bedeutendem Umfang für die Meteorologie nutzten.

Die Physiker Carl Friedrich Gauß (1777−1855) aus dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel und Wilhelm Weber (1804−1891) aus dem Kurfürstentum Sachsen konstruierten 1833 einen elektromagnetischen Telegraphen. Dazu verlegten sie zwei Kupferdrähte über die Dächer der Stadt Göttingen und vermittelten an Ostern 1833 den telegraphischen Verkehr zwischen dem physikalischen Institut und dem magnetischen Observatorium der Sternwarte.

Der russische Orientalist, Militäroffizier und Erfinder Paul Ludwig Schilling von Cannstatt oder Pawel Lwowitsch Schilling von Cannstatt (1786−1837) aus dem Gouvernement Estland interessierte sich schon früh für Elektrotechnik. Erste Telegraphie-Versuche konnte er im Fünften Koalitionskrieg 1809 vorführen. Nachfolgend verlagerten sich seine Interessen auf die Drucktechnik der Lithographie und ostasiatische Sprachen. 1832 setzte er seine Arbeiten an der Telegraphie fort und konstruierte einen Apparat, mit dem er das Alphabet und die Ziffern darstellen konnte. Gauß und Weber (siehe oben) hatten da ihren Telegraphen bereits vorgestellt. 1835 konnte er einen verbesserten Nadeltelegraphen präsentieren. 1836 erprobte er erfolgreich eine telegraphische Übertragung über eine zehn Kilometer lange Unterwasserleitung. Eine geplante Telegraphenleitung von der Marinebasis Kronstadt über Oranienbaum zum Palast Peterhof bei Sankt Petersburg wurde wegen seines Ablebens nicht realisiert.

Der britische Meteorologe und Erfinder Francis Ronalds (1788−1873) war ein Pionier der elektrischen Telegraphie. 1816 errichtete er einen elektrostatischen Telegraphen. 1843 wurde Ronalds zum Leiter des Königlichen Observatoriums Kew in London ernannt. Dort arbeitete er an der systematischen Erfassung meteorologischer Daten mittels Photographie. Er entwickelte eine Kamera, die, durch eine Uhr gesteuert, automatisch zeitliche Abfolgen von Wetterphänomenen, insbesondere zu atmosphärischer Elektrizität, aufnehmen konnte.

Bestandteile des unterirdischen elektrischen Telegraphen, der 1816 von Francis Ronalds gebaut wurde (Quelle https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ronalds%27_electric_telegraph.jpg )

Bestandteile des unterirdischen elektrischen Telegraphen, der 1816 von Francis Ronalds gebaut wurde, Quelle: Ronald Francis, Descriptions of an Electrical Telegraph and of some other Electrical Apparatus (1823), über Wikimedia Commons

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Der US-amerikanische Künstler und Erfinder Samuel Morse (1791−1872) ist vor allem für seine Erfindung des elektrischen Telegraphen und des Morsecodes bekannt. Anfang der 1830er Jahre kam er erstmals zu der Erkenntnis, dass ein elektrischer Telegraph möglich sein könnte. Mitte der 1830er Jahre experimentierte Morse mit Prototypen. Die erste öffentliche Vorführung seines Geräts fand 1837 statt. Er verwendete eine frühe Form eines Telegraphencodes, der Buchstaben in einen Zifferncode verwandelt und als Amerikanischer Morsecode bekannt ist. Der US-Kongress gewährte ihm schließlich die notwendige finanzielle Unterstützung, sodass eine Demonstrations-Telegraphenleitung von Washington, D. C. nach Baltimore mit einer Streckenlänge von 61 km errichtet werden konnte. Die Leitung wurde am 24. Mai 1844 erfolgreich in Betrieb genommen, als Morse den Satz „What hath God wrought?“ sendete. Morse erhielt 1847 ein türkisches Patent für den Telegraphen. Seine Erfindung wurde 1851 offiziell als Standard für die europäische Telegraphie anerkannt (mit Ausnahme Großbritanniens, wo der Telegraph von Cooke und Wheatstone (siehe unten) bevorzugt wurde). Morses US-amerikanische Patente wurden angefochten, da er behauptete, der alleinige Erfinder des Geräts zu sein, was Joseph Henry (siehe unten) bestritt. Schließlich entschied der Oberste Gerichtshof 1853 zugunsten von Morse. Obwohl Morse nie direkt in der Meteorologie tätig war, sollte sein Telegraph eine Revolution in dieser Wissenschaft auslösen, da er die schnelle Übertragung von Wetterdaten ermöglichte. Mit diesen konnten Wetterkarten erstellt werden, die wiederum zur Untersuchung von Wettersystemen und zur Erstellung von Wettervorhersagen genutzt werden konnten. Die Vorläufer zentralisierter nationaler Wetterdienste in vielen Ländern, darunter Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten, begannen sich alle zu entwickeln, sobald die Wettertelegraphie Ende der 1840er und in den 1850er Jahren verfügbar wurde (siehe Teile 13 und 15 der Serie Geschichte der Meteorologie). Nach kleineren Änderungen bei den kodierten Buchstaben und einer Neucodierung der Ziffern wurde der von Morse generierte Code 1865 von der International Telegraph Union als Standardcode eingeführt.

Der US-amerikanische Physiker und Wissenschaftsadministrator Joseph Henry (1797−1878) gilt allgemein als der „Vater“ des US-amerikanischen Wetterdienstes (National Weather Service). Außerdem entdeckte er unabhängig von anderen Wissenschaftlern die elektromagnetische Induktion. Aufgrund dieser Entdeckung wurde die SI-Einheit (Internationales Einheitensystem) für die Induktivität nach Henry benannt. Ein Henry entspricht einer elektromotorischen Kraft von einem Volt in einem geschlossenen Stromkreis mit einer gleichmäßigen Stromänderungsrate von einem Ampère pro Sekunde. Henry entwickelte während seiner Zeit als Professor an der Albany Academy in Albany, New York, ein Interesse an der Meteorologie. Dort sammelte er landesweite Wetterbeobachtungen für die University of the State of New York. Später war er Professor am College of New Jersey in Princeton, wo er Forschungen zum Blitz durchführte und Sturmverläufe sowie atmosphärische Physik untersuchte. Henry wurde 1846 erster Sekretär der neu gegründeten Smithsonian Institution. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod im Jahr 1878. Er richtete unverzüglich ein meteorologisches Programm an der Institution ein und forderte 1847 „ein System umfassender meteorologischer Beobachtungen zur Lösung des Problems der amerikanischen Stürme“. Ihm war klar, dass der elektrische Telegraph in einem solchen System eine Schlüsselrolle spielen würde. Henry hatte bereits in den frühen 1830er Jahren die grundlegenden wissenschaftlichen Prinzipien des Telegraphen beschrieben, doch die eigentliche Entwicklung des Telegraphen wird Samuel Morse zugeschrieben (siehe oben). Henry wusste, dass sich Stürme in den USA im Allgemeinen von Westen nach Osten bewegten, und schrieb im Jahresbericht der Smithsonian Institution von 1847, dass „die ausgedehnten Telegraphenleitungen ein geeignetes Mittel darstellen werden, um die Beobachter weiter im Norden und Osten zu warnen, damit sie auf das erste Auftreten eines herannahenden Sturms achten“. Bis 1849 hatte Henry ein Netzwerk von etwa 150 ehrenamtlichen Wetterbeobachtern aufgebaut, die über Telegraphen miteinander verbunden waren. Er überzeugte mehrere Telegraphengesellschaften davon, Wetterdaten kostenlos an die Smithsonian Institution zu übermitteln. Die Institution diente als administratives und wissenschaftliches Zentrum des Wettertelegraphie-Netzwerks. Sie stellte den Beobachtern Anweisungen, standardisierte Formulare und in einigen Fällen auch Instrumente zur Verfügung. Von den Beobachtern wurde erwartet, dass sie täglich mehrere Messungen zu Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Wind, Bewölkung und Niederschlagsmengen vornahmen. Außerdem wurden sie angewiesen, „außergewöhnliche Phänomene“ wie Gewitter, Hurrikane, Tornados, Erdbeben, Meteore und Polarlichter zu notieren. All diese Informationen wurden in monatlichen Berichten zusammengefasst, die an die Smithsonian Institution übermittelt wurden, wo Henry sie zur Erstellung einer großen täglichen Wetterkarte nutzte. Deren Zweck bestand darin, wie er schrieb, „die meteorologischen Bedingungen der Atmosphäre über dem gesamten Land auf einen Blick darzustellen“. Die Karte wurde erstmals 1856 im „Castle“ (dem ursprünglichen Gebäude der Smithsonian Institution) ausgestellt. Sie verwendete ein System aus farbigen Scheiben, um die Art des beobachteten Wetters anzuzeigen (blau für Schnee, schwarz für Regen, braun für bewölkten Himmel und weiß für schönes Wetter), wobei Pfeile die vorherrschende Windrichtung anzeigten. Die Öffentlichkeit war von dieser Karte fasziniert. Henry stellte fest, dass Touristen, die sie betrachteten, „alle besonders daran interessiert zu sein scheinen, zu erfahren, welchen Wetterbedingungen ihre Freunde zu Hause gerade ausgesetzt sind“.

Vorsitzender Henry hängt im Smithsonian-Gebäude eine tägliche Wetterkarte aus, 1858 (Quelle https://ssec.si.edu/sites/default/files/SIA-84-2074-000002.jpg)

Vorsitzender Henry hängt im Smithsonian-Gebäude eine tägliche Wetterkarte aus, 1858, Ölgemälde von Louise Rochon Hoover (1898-1976), 1933, Auftrag der Smithsonian Institution für die Ausstellung „Century of Progress“ in Chicago, Quelle: Smithsonian Science Education Center über Smithsonian Institution Archive

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Henry experimentierte auch damit, die Karte für Wettervorhersagen zu nutzen. Er stellte beispielsweise fest: „Wenn morgens an der Station in Cincinnati eine schwarze Karte [Scheibe] zu sehen ist, die auf Regen in dieser Stadt hindeutet, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es in Washington gegen sieben Uhr abends zu einem Regenschauer kommen wird.“ Henry lieferte außerdem Wetterbeobachtungen an die Zeitung „Washington Evening Star“, welche im Mai 1857 damit begann, täglich die Wetterbedingungen in fast zwanzig verschiedenen Städten zu veröffentlichen. Dies war eines der frühesten Beispiele für die beliebte Wetterseite in Zeitungen. Henry setzte sich zudem für ein System von Sturmwarnungen ein und schrieb in seinem Jahresbericht für 1857, dass er hoffte, mit Telegraphengesellschaften Vereinbarungen zu treffen, „um an der Ostküste vor herannahenden Stürmen zu warnen“. Um 1860 war das meteorologische Netzwerk auf mehr als 600 ehrenamtliche Beobachter in Kanada, Mexiko, der Karibik und Lateinamerika sowie in den Vereinigten Staaten angewachsen. Die Vielzahl der Wetterbeobachtungen, die in den 1850er Jahren bei der Smithsonian Institution eingingen, bildete eine umfangreiche Datenbank, die überprüft und ausgewertet werden musste. Henry beauftragte Professor James Henry Coffin (1806−1873), einen US-amerikanischen Mathematiker und Meteorologen vom Lafayette College in Easton, Pennsylvania, mit dieser Arbeit. Im Jahr 1861 veröffentlichte Coffin den ersten von zwei Bänden mit Klimadaten und Sturmbeobachtungen, die auf den Berichten der Jahre 1854 bis 1859 basierten. Der Amerikanische Bürgerkrieg hätte Henrys meteorologische Arbeit beinahe zum Scheitern gebracht. Er schrieb 1861, dass das Projekt „mehr unter den Unruhen im Land litt als jeder andere Bereich der Smithsonian Institution“. Wetterberichte mussten mit dem öffentlichen Kriegsverkehr um Telegraphenzeit konkurrieren. Alle Berichte aus dem Süden fielen aus. Nach dem Krieg forderte Henry in seinem Jahresbericht für 1865 die Bundesregierung auf, einen nationalen Wetterdienst einzurichten, der in der Lage sei, Sturmwarnungen und andere Wettervorhersagen herauszugeben. Etwa zur gleichen Zeit bewegten sich auch andere Länder in Richtung eigener nationaler Wetterdienste (siehe Teil 13 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Im Jahr 1870 übertrug der Kongress die Zuständigkeit für Sturmwarnungen und Wettervorhersagen an den Signal Service der US-Armee. Bis 1874 hatte Henry den Signal Service davon überzeugt, auch das System der freiwilligen Beobachter zu übernehmen. Im Jahr 1891 übernahm das neu gegründete US-Wetteramt alle wetterbezogenen Aufgaben des Signal Service (siehe Teil 15 der Serie zur Geschichte der Meteorologie).

Der russische Mathematiker und Physiker Adolph Theodor Kupffer (1799−1865), ein Deutsch-Balte aus dem Gouvernement Kurland, organisierte in Russland meteorologische und magnetische Beobachtungen. Nach seinem Studium in Deutschland erhielt Kupffer 1823 eine Stelle als Professor für Chemie an der Universität Kasan in Russland. Im selben Jahr reiste er nach Paris, um Geräte für seinen Lehrstuhl zu erwerben. Dort traf er unter anderem von Humboldt (siehe Te



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