Im Pazifik bahnt sich eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen an. Dieses Phänomen hat weitreichende Auswirkungen auf das Wetter vor Ort, kann aber über die großräumige atmosphärische Zirkulation auch Regionen fernab des Pazifiks beeinflussen. Doch wie stark ist Europa davon betroffen?
Ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen im östlichen Pazifik vor der Küste Südamerikas und gleichzeitig deutlich niedrigere Wassertemperaturen im westlichen Pazifik verändern das Wettergeschehen in diesen Regionen erheblich. Während es in Südamerika selbst in sonst trockenen Gebieten zu kräftigen Niederschlägen kommen kann, herrscht in Teilen Südostasiens häufig schwere Dürre. Diese veränderten Niederschlagsmuster haben nicht nur weitreichende ökologische und wirtschaftliche Konsequenzen für die betroffenen Regionen, sondern beeinflussen auch die großräumige atmosphärische Zirkulation.
Während eines starken El Niño bilden sich über dem zentralen und östlichen Pazifik vermehrt hochreichende Gewitterwolken. Dabei werden beim Kondensationsprozess große Mengen latenter Wärme in die Atmosphäre freigesetzt. Diese zusätzliche Wärme beeinflusst die tropische Zirkulation und kann über die Hadley-Zirkulation auch die atmosphärische Dynamik in höheren Breiten modifizieren. Dadurch können sich die großräumigen Zirkulationsmuster und in der Folge auch die Lage und Stärke des Jetstreams verändern. Insbesondere im Winterhalbjahr kann dies Auswirkungen auf das Wettergeschehen in Europa haben.
Je stärker ein El-Niño-Ereignis ausgeprägt ist, desto größer kann grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit sein, dass solche Wechselwirkungen auftreten. Der Zusammenhang ist allerdings nicht linear und von Ereignis zu Ereignis unterschiedlich.