Der Fokus in diesem Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie liegt auf Entwicklungen der Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts, welcher in zwei Teilbereichen vorgestellt wird. Erstmals wurde ein internationales Netzwerk von Wetterbeobachtern realisiert und die Zusammensetzung der Luft untersucht.
Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1750 beschrieben. In diesem Teil der Serie kommen wir in der Geschichte nur langsam vorwärts. Der Fokus liegt nun in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Neben Beiträgen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf das erste größere meteorologische Messnetz sowie auf die Entdeckung der Stoffe in bzw. der stofflichen Zusammensetzung der Luft. Gründungscharta und Stationen des Messnetzes 1781–1792 der Societas Meteorologica Palatina, Quelle: Peter Winkler, The early meteorological network of the Societas Meteorologica Palatina (1781–1792): foundation, organization, and reception, Hist. Geo Space. Sci., 14, 93–120 (History of Geo- and Space Sciences), 2023
Der kroatische Mathematiker, Naturphilosoph und jesuitische Priester Rugjer Josip Bošković (1711–1787) aus der Republik Ragusa (heute Dubrovnik) verfasste rund 70 Abhandlungen zu zahlreichen Themen, darunter Optik, Astronomie, Gravitation, Meteorologie, Trigonometrie, Geodäsie und Baustatik. Er zählt zu den letzten Universalgelehrten. Bošković führte Beobachtungen der Aurora borealis durch und schätzte die Höhe der Aurora auf etwa 1000 km. Darüber hinaus stellte er einige Hypothesen über die Ursachen der Aurora auf.
Der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot (1713–1784) lieferte in der „Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers“ eine der frühesten Definitionen der modernen Meteorologie. Er schrieb: „Aus der mit den Sinnen durchgeführten Untersuchung von Wind, Regen, Hagel, Donner usw. ging die Betrachtung zur Ermittlung ihrer Ursprünge, Ursachen, Auswirkungen usw. über und brachte die Wissenschaft hervor, die als Meteorologie bezeichnet wird.“ Diderot erörterte auch „Meteore“ (Météores, comme vents, pluies, tempêtes, tonnerres, aurores boréales usw. – „Meteore“, wie Winde, Regen, Stürme, Donner, Nordlichter usw.). In der Sprache jener Zeit bezeichnete der Begriff „Meteor“ allgemein „einen Körper oder das Erscheinen eines Körpers in der Atmosphäre, der aus dort schwebenden Stoffen gebildet wird“. Das heutige Wort „Meteorologie“ hat seinen Ursprung in diesem Sinne des Wortes „Meteor“.
Der französischer Mathematiker Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717–1783) leistete Pionierarbeit bei der Anwendung partieller Differentialgleichungen in der Erforschung von Strömungsbewegungen. Seine Arbeiten zu diesem Thema erschienen erstmals in einer Studie über Winde mit dem Titel „Réflexions sur la cause générale des vents“ (Überlegungen zur allgemeinen Ursache der Winde), die er 1747 der Berliner Akademie vorlegte. Darin ging d'Alembert davon aus, dass die Winde durch Gezeiteneinflüsse auf die Atmosphäre entstehen und dass die Erwärmung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Heute weiß man, dass die Erwärmung durch die Sonne der entscheidende Antrieb für die atmosphärische Zirkulation und die Winde ist. Dennoch war d'Alemberts Arbeit mathematisch fundiert und stellte erstmals die Bewegungsgleichungen einer inkompressiblen Flüssigkeit auf der zweidimensionalen Erdoberfläche dar, dargestellt in sphärischen Koordinaten.
Der preußische Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) aus Königsberg gilt als der größte Philosoph der Neuzeit. Er interessierte sich auch für Naturwissenschaften. Er veröffentlichte Werke zur Ästhetik und Ethik sowie zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete, darunter Physik, Astronomie, Geologie, Meteorologie, Anthropologie und Psychologie. In seinem Werk „Logik, Physische Geographie, Pädagogik“ beschreibt er Prinzipien ozeanischer und atmosphärischer Strömungen.
Der kurpfälzische Kurfürst Karl Theodor (1724–1799) gründete 1780 das erste internationale Netzwerk von Wetterbeobachtern, bekannt als „Societas Meteorologica Palatina“ oder „Mannheimer Meteorologische Gesellschaft“ als dritte Klasse der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften in Mannheim. In der Gründungsurkunde heißt es: „Die Wissenschaften, die einen unmittelbaren Einfluss auf des Menschen Leben und seine tägliche Beschäftigung haben, verdienen eine besondere Beachtung, Aufmerksamkeit und Fürsorge. Aus diesen Gründen haben Seine Kurfürstliche Durchlaucht die Witterungslehre ihres höchsten Schutzes gewürdigt und Anstalten treffen lassen, dass an mehreren wichtigen Orten der kurfürstlichen Erblanden, auch in anderen Gegenden Europas und der übrigen Weltteile künftig mit gleichartigen Instrumenten tägliche Beobachtungen gemacht und eingesammelt werden.“ Erster Sekretär wurde der kurpfälzische Meteorologe, Physiker und Sprachwissenschaftler Johann Jakob Hemmer (1733–1790).

Sämtliche Beobachter wurden auswärtige Mitglieder der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften. Jeder Beobachter erhielt auf kurfürstliche Kosten einheitliche Messinstrumente, Beobachtungsanleitungen und Formulare zur Erfassung der Daten, um eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu gewährleisten. Die von Mannheim aus unentgeltlich zur Verfügung gestellten Messinstrumente waren zwei Thermometer, ein Barometer, ein Hygrometer und eine von Hemmer in Mannheim geeichte Deklinationsnadel. Weitere Messinstrumente wie Elektrometer zur Messung der Luftelektrizität, Windmesser, Regenmesser und Verdunstungsmesser sollten vor Ort an den Messstationen selbst hergestellt werden. Sämtliche Messungen sollten zu bestimmten Uhrzeiten erfolgen, täglich um 7, 14 und 21 Uhr, die als sogenannte Mannheimer Stunden bekannt wurden. Darüber hinaus waren phänologische und nosologische Beobachtungen vorgesehen (Austrieb, Blüte und Fruchtzeiten von Pflanzen, Ankunft und Abflug von Zugvögeln, Veränderungen und Krankheiten bei der Bevölkerung). Den Transport der Pakete und Briefe übernahm die kurpfälzische Diplomatenpost. Insgesamt wurden 39 Stationen eingerichtet, die meisten in Mitteleuropa. Die westlichsten Station waren in Bradford und Cambridge (beide Massachusetts) in den Vereinigten Staaten sowie in Godthåb (Nuuk) auf Grönland. Die östlichste Station war in Pyschminsk (in der heutigen Region Swerdlowsk) im Uralgebirge im Russischen Reich. Das Projekt scheiterte 1795. Benjamin Banneker auf seinem Almanach aus dem Jahr 1795, Quelle: Public Broadcasting Service (PBS), Arlington, Virginia, Vereini
Der Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph Johann Heinrich Lambert (1728–1777) aus dem damals zur Alten Eidgenossenschaft gehörenden Mülhausen im Elsass vertrat die Auffassung, dass man in der Meteorologie wie auch schon in der Astronomie zunächst periodische Phänomene beobachten und dann versuchen sollte, ihre Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Nachfolgend sollte schließlich schrittweise die Theorie erweitert werden. Um mehr und bessere meteorologische Daten zu erhalten, schlug Lambert 1771 vor, ein weltweites Netz von Wetterstationen aufzubauen, in denen die verschiedenen Wetterbedingungen (Regen, Bewölkung, Trockenheit …) erfasst werden sollten. Diese Methoden finden bis heute Anwendung. Er widmete sich zudem der Verbesserung der Messinstrumente und der Entwicklung präziser Konzepte für den Fortschritt der Meteorologie. Dies führte zu seinen 1769 und 1771 veröffentlichten Werken über Hygrometrie und Hygrometer.
Der Mathematiker, Astronom und Abolitionist Benjamin Banneker (1731–1806) aus der Provinz Maryland gilt als erster afroamerikanischer Wissenschaftler. Er eignete sich seine naturwissenschaftlichen Fähigkeiten weitestgehend selbst an. Seinem astronomischen Interesse folgend, nutzte er seine mathematischen Fähigkeiten, um alle für einen Almanach notwendigen Berechnungen anzustellen. In seinem ersten Almanach 1792 fanden sich Informationen über Sonnenfinsternisse sowie Sonnenauf- und -untergangszeiten, dazu Wettervorhersagen, erwartete jahreszeitliche Wetterveränderungen und Vorschläge zu wetterbezogenen Themen wie dem Anbau von Nutzpflanzen. Sein Almanach wurde in Nordamerika sehr beliebt und war sogar in England und Frankreich bekannt. Banneker veröffentlichte ihn über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich.
