Synoptische Übersicht - Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 25.06.2019 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen: HnA Heute und morgen starke bis sehr starke Wärmebelastung, nur ganz im Norden und im Nordosten angenehmer. Am Donnerstag nur im Süden noch heiß. Am Donnerstag ganz im Süden örtlich starke Gewitter, vereinzelt Unwetter.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC

Dienstag... Deutschland liegt im Einflussbereich eines Höhenrückens, der von Algerien bis nach Mitteleuropa reicht und sich infolge von Warmluftadvektion weiter verstärkt. Die warme Luft strömt dabei in der unteren Troposphäre im Randbereich einer Tiefdruckrinne, die vom Zentraltief westlich von Galizien bis zur nördlichen Nordsee reicht, von Süden zu uns. Nur in den Nordosten gelangt am Rand eines Hochs über Estland nicht ganz so warme Luft aus dem Südosten. In diesem Bereich, also von Ostsachsen bis nach Holstein und nach Mecklenburg-Vorpommern wird auch kaum Cape-ML berechnet, da hier die Troposphäre in unteren Schichten zu trocken ist und ein Deckel besteht in Form von fast isothermer Schichtung zwischen 800 und 850 hPa. Im übrigen Deutschland baut sich Cape-ML auf mit Werten zwischen 750 und über 2000 J/Kg etwa vom westlichen NRW bis zu den Alpen. Auch hier ist die Luft gedeckelt, so dass die Auslösetemperaturen meist über 40 Grad liegen. Bei 850 hPa-Temperaturen zwischen 17 Grad im Küstenbereich und 23 Grad am Hochrhein werden mit Höchstwerten zwischen 32 Grad in Küstennahen Gebieten und 37 bis 38 Grad am Oberrhein die Auslösetemperaturen verfehlt. Bei auflandigem Wind an der See ist es mit Höchstwerte unter 30 Grad nicht ganz so heiß.Da die Höhe auch antizyklonal geprägt ist und somit kein Hebungsantrieb besteht, ist es heute trocken. Der Wind weht dabei meist nur schwach aus südöstlichen Richtungen. Ein flaches Hitzetief, das am Tage noch über Nordfrankreich zu finden ist, zieht abends und nachts von Holland über die Deutsche Bucht nach Süddänemark, wobei ein Kerndruck von gut 1015 hPa erreicht wird. An seiner Südwestflanke kommt eine Kaltfront flach von der Rheinmündung aus bis nach NWR und das westliche Niedersachsen voran. Dadurch ist in Nordwestdeutschland die Inversion noch stärker entwickelt, so dass die Front nicht aktiv ist. In der Höhe baut der Höhenkeil von Frankreich abermals an, so dass die Konstellation bei uns antizyklonal bleibt. Damit ist es auch in den anderen Regionen Deutschlands weiterhin trocken. Die Nachtwerte liegen zwischen 13 Grad im Nordosten und 20 Grad am Niederrhein. In den Großstädten liegen die Tiefstwerte teils noch etwas höher.

Mittwoch... wird der Keil durch weitere Warmluftadvektion an dessen Westflanke gestützt und dehnt sich nach England aus. Ein weiterer Höhenkeil schwenkt vom südöstlichen Mitteleuropa nur sehr langsam weiter zum nordwestlichen Balkan. Zwischen beiden Keilen wird die Höhenströmung vorübergehend recht glatt und dreht auf West. Derweil zieht das Bodentief ins Küstengebiet südlich von Stockholm. Zwischen dem Tief und dem kräftigen Hoch westlich der Hebriden strömt von Nordwesten frischere Luft nach Norddeutschland, wobei die nicht aktive Kaltfront die nördlichen Mittelgebirge erreicht. Auf ihrer Rückseite stabilisiert sich die Troposphäre. Mit der Kaltluftadvektion schiebt sich ein Keil des Hochs nach Norddeutschland vor und im Randbereich verstärkt sich der Wind von der Nordfriesischen Küste bis zur Ostsee und nach Nordbrandenburg. Damit sind dort 6er und einzelne 7er Böen möglich und auf dem Brocken auch stürmische Böen. Südlich der Kaltfront, also in der Mitte und im Süden Deutschlands baut sich im Tagesverlauf ML-Cape auf meist zwischen 1000 und 2000 J/Kg und örtlich auch mehr Cape. Schauer oder Gewitter werden aber dank der wie am Vortag vorhandenen Deckelung und durch vorherrschendes Absinken kaum simuliert. Lediglich GFS bringt von der Lausitz bis nach Südostthüringen und bis zum Harz isolierte Schauer und Gewitter. CosmoDE-EPS hat beim Maximum Regensignale im Nordosten Brandenburgs und in Vorpommern im Programm. Im Norden wird die heißeste Luft zum südlichen Norddeutschland abgedrängt, die 15-Grad-Isotherme wird abends über der Lüneburger Heide und über dem Emsland erwartet. Im äußersten Südwesten liegt dann die 850-hPa-temperatur bei 25 Grad. Entsprechend liegen die Höchstwerte zwischen 30 Grad knapp südlich von Hamburg und 38 bis 39 Grad am Oberrhein. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, dass von Mannheim bis nach Breisach örtlich der Deutschland-Temperaturrekord von 38,5 Grad geknackt wird.

In der Nacht zum Mittwoch wird ein in der Frontalzone eingelagerter schwacher Trog, der sich zwischen den beiden Hochkeilen entwickelt hat, von der Nordsee nach Westpolen gesteuert und rückseitig verstärkt sich durch WLA der Höhenrücken über England. Trogvorderseitig verlagert sich die Kaltfront weiter zum nördlichen Süddeutschland, etwa auf eine Linie Franken-Pfalz. Rückseitig schiebt sich der Hochkeil zum nördlichen Mittelgebirgsraum vor. Niederschlag wird dank des im Norden und der Mitte wirksamen Keils und des im Süden wirkenden Höhenkeils nicht berechnet. Dabei geht die Temperatur im Südwesten häufig nicht unter die 20 Grad-Marke zurück. Ansonsten werden Werte zwischen 12 Grad im Norden und 19 Grad in Ostbayern erwartet.

Donnerstag... baut sich rückseitig des abgezogenen Randtrogs der Rücken über Westeuropa weiter auf und bei Schottland bildet sich ein neues Hochzentrum und sein Keil verstärkt sich über Deutschland. Die Kaltfront ist zunächst nur wenig wetteraktiv und kommt mit der frischeren Luft noch etwas nach Süden voran. Sie ist zwar im Theta-Feld deutlich ausgeprägt, aber weder bei den Feuchte- noch die Windfelder oder gar von Seiten der Wetterinterpretation gibt es Hinweise auf sie. Immerhin stellt sich bis zum Abend in 850 hPa ein recht beachtlicher Temperaturgradient über Deutschland ein. Die Spanne reicht von 10 Grad an der Odermündung bis 23 Grad am Oberrhein ein. Dank des überwiegenden Hochdruckeinflusses ist es nur gering bewölkt und so wird es in der Mitte und im Süden wieder recht warm mit Werten zwischen 30 Grad in Nordhessen und 37, vielleicht 38 Grad am südlichen Oberrhein und am Hochrhein. Im südlichen Norddeutschland ist es sommerlich warm bei 25 bis 29 Grad und ganz im Norden gibt es nur Werte zwischen rund 19 Grad an der Nordsee und 24 Grad weit landeinwärts.

Der Gradient zwischen dem Hoch und dem Tief über Westrussland sorgt weiterhin von Nordfriesland bis nach Vorpommern für einzelne steife Windböen (Bft 7). Im Laufe des Nachmittags wird die Troposphäre südlich der Kaltfront von Südbaden bis Südostbayern recht labil mit CapeML-Werten zwischen 1500 und gut 3000 J/Kg, so dass sich einzelne Gewitter entwickeln. Bei nur 5 bis 10 kt Mittelwind in unteren Schichten sind die Gewitterzellen nur langsam unterwegs, so dass leicht Starkregen bis in den Unwetterbereich auftreten kann. Großhagel ist ebenfalls möglich. In der Nacht zum Freitag fallen die Gewitter meist in sich zusammen und verbreitet ist es gering bewölkt. Mit Tiefstwerten zwischen 10 Grad im Wendland und 19 Grad im Südwesten ist es deutlich angenehmer als in der Nacht zum Donnerstag.

Modellvergleich und -einschätzung

Die Modelle simulieren großräumig recht ähnlich.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Olaf Pels Leusden