Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Montag, den 24.06.2019 um 10.30 UTC



Erste Hitzewelle des Jahres mit Höchsttemperaturen bis weit über 35 Grad.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 01.07.2019

Am Donnerstag liegt Deutschland unter der Nordostflanke eines Höhenkeils, der sich vom westlichen Mittelmeer zu den Britischen Inseln erstreckt. Durch diesen Keil wird eine Hochbrücke gestützt, die von Schottland südlich an Island vorbei bis in den mittleren Nordatlantik reicht. Die Frontalzone verläuft über Island und Südskandinavien hinweg zu den Baltischen Staaten. Ein darin eingelagerter kräftiger Trog gelangt nach Westrussland. Die Kaltfront des korrespondierenden kräftigen Bodentiefs überquert die Mitte Deutschlands und erreicht am Freitag den Süden. Während am Donnerstag in den tieferen Lagen Südwest- und Süddeutschlands Höchsttemperaturen deutlich über 35 Grad erreicht werden, wird es am Freitag mit Temperaturmaxima etwas über 30 Grad dort nicht mehr ganz so heiß. Im Norden und Nordosten macht sich das Ausfließen kühlerer Luft aus dem Hoch über der Nordsee bemerkbar, so dass dort Maxima um 25 Grad zu erwarten sind. Am Freitag weitet sich der Höhenkeil eher noch etwas nach Norden aus, was die nordwestliche Strömung eher noch etwas aufsteilen lässt und die Kaltfront somit über die Alpen hinweg südwärts drückt. Am Samstag verschiebt sich das Zirkulationsmuster ein wenig nach Osten, wodurch der Zustrom mäßig warmer Luft von der Nordsee her versiegt. Daher dürften die Temperaturen erneut ansteigen, wobei am Sonntag, wenn der Keil unter Abflachung und Verkürzung der Wellenlänge Deutschland überquert, ein weiterer Höhepunkt der Hitze erreicht wird. In tieferen Lagen Südwest- und Süddeutschlands sind dann wieder Temperaturmaxima deutlich über 35 Grad vorstellbar. Allerdings greift ein breiter Trog auf den nahen Ostatlantik und die Britischen Inseln über, der zu Wochenbeginn eine Zonalisierung einleitet. Dabei bildet sich hinsichtlich der Temperaturen ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle heraus, das auch im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum Bestand hat. Dies geht mit einem zunehmend wechselhaften Wettercharakter einher, so dass im Norden häufiger Schauer zu erwarten sind und im Süden die Gewitterneigung zunimmt. Eine Schwergewitterlage zeichnet sich jedoch nicht ab. Während im Norden je nach Bewölkung die Temperaturen durchaus unter der 20 Grad-Marke verbleiben können, sind im Süden weiterhin Maxima um bzw. über 30, in tieferen Lagen Südwest- und Süddeutschlands zur Wochenmitte hin auch wieder über 35 Grad zu erwarten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Bis einschließlich Sonntag ist der aktuelle Lauf gegenüber den beiden gestrigen Modellläufen weitgehend konsistent. Prognoserelevante Unterschiede sind bis dahin nicht erkennbar. Am Montag wird die Zonalisierung deutlicher und rascher simuliert als dies bei den beiden Vorläufen der Fall war. Als Ergebnis liegen die Temperaturen im 850 hPa-Niveau über dem Norden und der Mitte Deutschlands etwa 10 Grad tiefer als vom gestrigen Modellauf noch angenommen wurde. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum gleichen sich die Prognosen jedoch wieder an.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Samstag ergeben sich hinsichtlich der synoptischen Basisfelder keine prognoserelevanten Unterschiede zwischen den verfügbaren Modellen. Am Sonntag zeigt ICON den über Deutschland hinweg nach Osten schwenkenden Keil noch am kräftigsten, wogegen die anderen Modelle wie auch EZMW diesen Keil rasch abflachen lassen. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum ergibt sich dann wieder ein weitgehend ähnliches Bild mit einer relativ weit nördlich ansetzenden Zonalisierung.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Das EPS des GFS stützt die oben beschriebene Entwicklung. Auch hier lässt sich die Zonalisierung zum Monatswechsel ableiten. Damit geht mit einem Temperaturrückgang einher, den der aktuellste Lauf ein wenig ausgeprägter zeigt als weiter zurückliegende Modellläufe. Auch hier lässt sich anhand der Niederschlagssignale eine zunehmende Unbeständigkeit ableiten. Die ausgeprägten Niederschlagsignale ab Montag im Süden dürften als Hinweis für eine rege Gewittertätigkeit anzusehen sein. Auch beim EPS des EZMW stützt die Entwicklung bis in den erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum hinein, wenngleich mit schwächeren Niederschlagssignalen als beim EPS des GFS. Allerdings folgen in der Mitte und im Süden die beiden ungestörten Läufe nicht dem Trend hin zu etwas zurückgehenden Temperaturen. Während mehr als 80 Prozent der Einzellösungen einen eher kräftigeren Keil favorisieren (was der ICON-Version nahekommt) wird die bereits am Montag einsetzende Zonalisierung neben den Hauptlauf und Kontrolllauf nur von 8 Membern gezeigt. Der Spread ist selbst im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum vergleichsweise gering.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Abgesehen von Hitze (mit teils extremer Wärmebelastung und verbreiteten Tropennächten) und hoher UV-Belastung sind vorerst keine markant zu bewarnenden Wetterereignisse zu erwarten. Erst ab Sonntag nimmt zunächst an den Alpen und vielleicht auch in den östlichen Mittelgebirgen, danach im gesamten Süden die Gewitterneigung deutlich zu, ohne dass sich bisher eine ausgewachsene Schwergewitterlage abzeichnet.

Basis für Mittelfristvorhersage EPS(EZMW) mit Tendenz zu etwas höheren Temperaturen im Süden und in der Mitte Deutschlands.



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Thomas Schumann