Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Freitag, den 19.04.2019 um 10.30 UTC



Zunächst antizyklonal und sommerlich warm, an den Alpen Föhn. In der zweiten Wochenhälfte zunehmender Trogeinfluss mit steigender Gewittergefahr.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 26.04.2019

Zu Beginn der neuen Woche lässt sich in der Höhenströmung am Montag eine gut ausgeprägte Omegalage erkennen. Ein stark amplifizierter Langwellentrog liegt über Westeuropa und erstreckt sich bis nach Nordafrika. Ein zweiter Trog befindet sich über Westrussland, wobei in Richtung Schwarzes Meer ein eigenständiges Höhentief liegt. Dazwischen liegt ein Höhenkeil mit Schwerpunkt über Südskandinavien.

Dazu korrespondierend erstreckt sich am Boden tiefer Luftdruck bis in das westliche Mittelmeer. Vorderseitig kann sich aufgrund der südlichen Anströmung eine Föhnlage einstellen, sodass nördlich des Alpenhauptkamms die 850 hPa Temperatur auf über 10 Grad ansteigt. Geprägt ist das Wettergeschehen vor allem von dem vorderseitig des Höhenrückens liegend Bodenhoch mit Zentrum über Osteuropa. Damit ergibt sich für Deutschland wie auch schon am Wochenende eine östliche Bodenströmung, mit der trockene Luftmassen advehiert werden. Zwar zeigen sich im Südwesten im Tagesverlauf auch mal einige Wolken (Nähe zu westeuropäischen Tiefdruckeinfluss), Niederschlag wird aber allgemein nicht erwartet

Der Wind kann vereinzelt am Tage stark böig wehen. Das betrifft aber vornehmlich die Küstenabschnitte und die Hochlagen der Berge. An den Alpen setzt der Föhn ein, mit Sturmböen auf den Bergen.

Am Dienstag verschiebt sich der Schwerpunkt des mittlerweile eigenständigen Höhehochs von Südnorwegen langsam ostwärts in Richtung Finnischen Meerbusen. Damit rückt auch das westeuropäisch umfangreiche Trogsystem etwas näher. Dies hat zunächst einmal zur Folge, dass sich der Südföhn am Alpenrand durch die verstärkte Südströmung in der unteren Troposphäre intensiviert. So muss auf den Bergen mit schweren Sturmböen gerechnet werden. Auch sonst verstärken sich die Luftdruckgegensätze, sodass im Osten und Norden Windböen, in anfälligen Lagen auch einzelne stürmische Böen aus Ost- bis Südost auftreten können.

Gleichzeitig nimmt von Südwesten die Gewitterneigung zu, da mit der Trogannäherung etwas feuchtere Luftmassen einfließen. Allerdings sind die Outputs bei den Modellen insgesamt noch recht zurückhaltend aufgestellt. Im Bergland kann man sich aber gut das ein oder andere unorganisierte Gewitter vorstellen, dass dann aufgrund der geringen Höhenwinde vor allem mit Starkregen punkten könnte.

Am Mittwoch nähert sich das westeuropäische Trogsystem noch etwas an, sodass der Westen des Landes nun zunehmend in seinen Einflussbereich gelangt. Entsprechend nehmen die Wolken von Westen her zu und vor allem in der zweiten Tageshälfte kann etwas Regen fallen. Weiter nach Osten bleibt die trockene Luft dominant und die Sonne scheint länger anhaltend bei bis zu 27 Grad. Der Föhn an den Alpen sorgt für Sturmböen und schwere Sturmböen auf den Alpengipfeln.

Am Donnerstag und Freitag liegt Deutschland weiterhin vorderseitig des Trogsystems, dass sich durch stromaufwärtige Neuentwicklungen immer wieder regeneriert. Gleichzeitig verbleibt das hohe Geopotential über Skandinavien. Mit Konstellation der Großwetterlage sind die östlichen Landesteile hochdruckdominiert, vielfach sonnig und es gibt nur selten Niederschläge. Im Westen zeigen sich hingegen häufiger Wolken und es muss mit Niederschlag gerechnet werden. Das Temperaturniveau ist insgesamt niedriger als an den Vortagen und liegt in den östliche Landesteilen höher als nach Westen.

In der erweiterten Mittelfrist deutet sich ein allmähliches Übergreifen des Troges an, sodass es nicht nur unbeständiger werden würde, sondern auch das Temperaturniveau deutlich nach unten geht.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die verschiedenen ECMWF Modelläufe zeigen zu Beginn der Mittelfrist eine recht gute Übereinstimmung. Ab Mitte kommender verstärken sich allmählich die Modellunterschiede, sodass zum Ende der Woche die Lösungen deutlich auseinander laufen.

Der gestrige 12 UTC Lauf und der aktuelle Modelllauf zeigen alle ein allmähliches Übergreifen des Troges an. Allerdings wird die genaue Positionierung des westeuropäischen Troges bzw. des Höhentiefs noch unterschiedlich prognostiziert wird.

Der gestrige 00 UTC Lauf weicht hingegen deutlich ab. Diesem folgend würde der Westeuropatrog als eigenständiges Höhentief in Richtung Südfrankreich abtropfen und kann kaum Einfluss auf Deutschland nehmen. Diesem Szenario folgend, wäre die Großwetterlage über Deutschland weiterhin stark antizyklonal geprägt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Zu Beginn der Mittelfrist sind sich ICON und ECMWF zunächst einig. Das GFS weicht allerdings zumindest bei der Höhenströmung bereits ab. So wird vom 00 UTC Lauf der Amerikaner ein Kaltlufttropfen vorhegesagt, der von Osten kommend in nordwestlicher Richtung einmal über die Nordhälfte des Landes geführt wird. Zwar findet sich auch bei den anderen Globalmodellen ein Höhentief, dies verbleibt aber über Osteuropa.

Im weiteren Verlauf zeigen alle Modelle, dass Deutschland zunächst auf der Trogvorderseite verbleibt. Fraglich ist, wie stark und schnell der Westeuropatrog Einfluss auf Deutschland nehmen kann. Während ECMWF ja eine eher offensive Variante fährt, ist ICON deutlich zurückhaltender und belässt den Trog unter Abschwächung über Frankreich. Beim GFS findet ein Abtropfprozess in den Mittelmeerraum statt. Ähnlich wie beim ECMWF ist der Haupttrog aber recht nah am Vorhersageraum und gestaltet diesen zum Teil wechselhaft. Allerdings ist Konstellation der Druckgebilde komplett anders. Während ECMWF ein massives Sturmtief mit 975 hPa westlich von Irland zeigt, lässt sich beim GFS allenfalls ein Bodentrog ausmachen.

Auch der Rest der Modellwelt schwankt zwischen Abtropfprozessen, Übergreifen des Troges und anhaltendem antizyklonalen Einfluss.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen von Offenbach zeigen bis Mittwoch kommender Woche einen recht einheitlichen Verlauf mit einem allmählichen Absinken des Geopotentials bei leicht steigenden Temperaturen in 850 hPa. Niederschlagssignale gibt es kaum.

Ab Donnerstag beginnen die verschiedenen Member auseinander zu laufen, mit einem von Tag zu Tag zunehmenden Spread. Das Mittel des Ensembles verläuft beim Geopotential höher als der Hauptlauf und insbesondere der Kontrolllauf (unterer Rand des Ensembles). Ab Freitag zeigt das ganze Ensemble einen Abwärtstrend bei der 850 hPa Temperatur und die Niederschlagssignale werden stärker, wenngleich sie nicht sonderlich hoch sind. Schaut man sich die Rauchfahnen im Osten an, dann sind die Niederschlagsprognosen nochmal deutlich geringer. Zudem findet man auch ein paar Signale auf ein wenig Niederschlag zum Dienstag, was zu dem Kaltlufttropfen (siehe GFS) passen würde.

Das Clustering für den Zeitraum +120 bis +168 h (Mi 00 bis Fr 00) liefert vier verschiedene Lösungen. Diese sehen für Deutschland in der Konsequenz recht ähnlich aus. Die Unterschiede beziehen sich vor allem auf die Nähe zum Trog, seine genaue Ausprägung und mögliche Abtropfprozesse. Für den Zeitraum +192 bis +240 h (Sa 00 bis Mo 00) gibt es drei Custer. Haupt- und Kontrolllauf befinden sich im ersten Cluster, welches ein Übergreifen des Troges auf Deutschland zeigt. Cluster 2 zeigen dies in der Ausprägung nicht und ist eher antizyklonal geprägt. Cluster 3 zeigt einen nur flachen Trog.

Das Ensemble des GFS prognostiziert eine Zunahme der Unsicherheiten in der zweiten Wochenhälfte, nach einem Temperaturhöhepunkt am Donnerstag. Im Anschluss zeigt das Mittel alle Member einen deutlich weniger starken Absturz, alsder Hauptlauf. Entsprechend gibt es einige Member, die auch weiterhin sommerlich warm bleiben. Auch das Geopotential bleibt von wenigen Ausnahmen abgesehen verhältnismäßig hoch. Die Vielzahl der Member deutet weiterhin eine östliche Anströmungsrichtung an und die Niederschlagssignale sind verhältnismäßig gering.

Fazit: Ab der zweiten Wochenhälfte deutet sich ein etwas kälterer und unbeständigerer Witterungsabschnitt an. Allerdings bestehen noch größere Unsicherheiten, wie stark der Trogeinfluss auf Deutschland ist und wie nachhaltig dieser ausfällt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Laufe des Montags setzt am Alpenrand der Föhn ein, der sich bis zum Mittwoch auch hält. Vornehmlich auf den Alpengipfeln werden Sturmböen und schwere Sturmböen erwartet. Ein Ausgreifen bis in das Alpenvorland ist unwahrscheinlich.

Zum Dienstag steigt die Gewittergefahr zunächst im südwestdeutschen Bergland und dehnt sich zum Mittwoch auf alle Bergländer aus. Zum Donnerstag kann es gebietsweise zu teils starken Gewittern kommen. Am Freitag besteht dann vornehmlich noch im Osten erhöhte Gewittergefahr.

Die Frage nach Verbreitung und Ausprägung von Gewittern hängt stark daran, wie deutlich der Trog auf Deutschland übergreifen kann.

Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix, EZ-Ensemble



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Marcus Beyer